Das Ziehen von Weisheitszähnen zählt zu den häufigsten oralchirurgischen Eingriffen und wird sowohl von Zahnärzten als auch von Kieferchirurgen durchgeführt. Grundsätzlich ist jeder Zahnarzt in Deutschland befähigt, Weisheitszähne zu entfernen, sofern der Eingriff nicht außergewöhnlich kompliziert ist. Bei technisch anspruchsvolleren Fällen, beispielsweise wenn ein Weisheitszahn stark vom Knochen umgeben, verlagert oder nahe wichtiger Nervenbahnen liegt, übernimmt meist ein auf Kieferchirurgie spezialisierter Arzt die Behandlung.
Weisheitszähne befinden sich ganz hinten im Kiefer und treten im späten Jugendalter oder frühen Erwachsenenalter durch das Zahnfleisch. Ihr Entfernen kann sowohl aus medizinischer Notwendigkeit heraus erfolgen als auch prophylaktisch, um Probleme im Kiefer vorzubeugen. In vielen Fällen wird bei einer umfassenden Untersuchung mithilfe von Röntgenbildern geprüft, ob Platzmangel besteht oder Entzündungen drohen. Die Entscheidung, wer die Weisheitszähne zieht, richtet sich nach der Komplexität des Eingriffs, dem Befund und der persönlichen Qualifikation des Behandlers. Eine entspannte Behandlung ist möglich, wenn der richtige Spezialist gewählt wird.
Die Behandlung kann in der eigenen Zahnarztpraxis stattfinden oder – bei Bedarf – in einer speziell ausgestatteten kieferchirurgischen Klinik. Bei Bedarf kommen unterschiedliche Betäubungsformen zum Einsatz, von lokaler Betäubung bis zur Vollnarkose. Das garantiert, dass der Eingriff für die Patienten so schonend wie möglich abläuft.
Wann ist das Ziehen der Weisheitszähne notwendig?
Es gibt mehrere Gründe, warum Weisheitszähne entfernt werden müssen. Oft liegen sie in einem zu engen Kiefer und finden keinen Platz zum Durchbrechen. Das führt häufig zu:
- Entzündungen im Zahnfleisch (Perikoronitis), die sich durch Schmerzen und Schwellungen bemerkbar machen
- Zystenbildung um den Zahn herum, die den Kieferknochen schädigen kann
- Verschiebungen benachbarter Zähne, die Zahnfehlstellungen verstärken
- Schwierigkeiten bei der Zahnpflege, was das Risiko für Karies und Parodontitis erhöht
Wenn die Weisheitszähne komplett durchgebrochen sind und richtig im Kiefer stehen, ist eine Entfernung oft nicht nötig. Sollten allerdings Schmerzen, wiederkehrende Entzündungen oder andere Beschwerden auftreten, empfiehlt sich eine schnelle Abklärung. Laut Studien liegt die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens ein Weisheitszahn entfernt werden muss, bei etwa 70 % aller Erwachsenen. Meistens erfolgt die Behandlung zwischen dem 16. und 25. Lebensjahr, um spätere Komplikationen zu vermeiden.
Wer darf Weisheitszähne ziehen? Zahnärzte vs. Kieferchirurgen
Grundsätzlich sind Zahnspezialisten oder Allgemeinzahnärzte qualifiziert, Weisheitszähne zu entfernen. Die meisten Routine-Extraktionen werden direkt in normalen Zahnarztpraxen durchgeführt, insbesondere wenn die Weisheitszähne bereits vollständig durchgebrochen und leicht zugänglich sind.
Alle anderen Fälle, die komplexer sind, sollten einem Kieferchirurgen überlassen werden. Diese Fachärzte verfügen über eine erweiterte Ausbildung und können schwierige Situationen besser beurteilen und handhaben. Dazu zählen verlagert liegende oder teilretinierte Weisheitszähne, die sich beispielsweise quer im Kiefer oder tief im Knochen befinden. Kieferchirurgen arbeiten oft mit computergestützten Bildgebungsverfahren wie DVT (digitale Volumentomographie), um den Eingriff präziser und sicherer zu gestalten.
Die Wahl des richtigen Behandlers stellt sicher, dass die Operation mit minimalem Risiko und möglichst schonend abläuft. Bei Unsicherheiten empfiehlt es sich, zunächst einen Zahnarzt aufzusuchen, der bei Bedarf an einen Kieferchirurgen überweist.
Vorbereitung auf die Entfernung der Weisheitszähne
Vor dem Eingriff steht die umfassende Untersuchung an. Mittels Röntgen oder 3D-Aufnahmen wird der genaue Zustand und die Position der Weisheitszähne ermittelt. Diese Diagnostik ist entscheidend, da sie Aufschluss über mögliche Komplikationen gibt und die OP-Strategie festlegt.
Im Beratungsgespräch bespricht der behandelnde Arzt den Ablauf und die Wahl der Betäubung. Falls notwendig, werden bestehende Krankheiten, Medikamente und Allergien abgefragt, um Risiken zu minimieren. Einige Tage vor dem Eingriff sollten auf blutverdünnende Medikamente verzichtet werden, wenn dies mit dem behandelnden Arzt abgesprochen ist.
Am Tag der OP ist es sinnvoll, auf schwere Mahlzeiten zu verzichten, besonders wenn eine Sedierung oder Vollnarkose geplant ist. Begleitpersonen zu organisieren, ist empfehlenswert, damit jemand nach der Behandlung unterstützen kann.
Risiken und Komplikationen bei der Weisheitszahnentfernung
Wie bei jeder chirurgischen Maßnahme gibt es auch beim Ziehen von Weisheitszähnen mögliche Risiken. Häufig beobachtet werden Schwellungen, Blutergüsse und Schmerzen, die üblicherweise in den ersten Tagen abklingen.
In seltenen Fällen können Nerven verletzt werden, was zu Taubheitsgefühlen an Zunge, Lippen oder Kinn führt. Studien zeigen, dass dieses Risiko bei Oberkiefer- und leichter zugänglichen Zähnen unter 1 % liegt, bei komplexeren unteren Weisheitszähnen jedoch auf bis zu 5 % ansteigen kann. Eine sorgfältige Bildgebung hilft, die Lage der Nerven zu erkennen und das Risiko zu minimieren.
Seltener treten Nachblutungen auf, die behandelt werden müssen. Infektionen können bei ungenügender Nachsorge oder schlechter Mundhygiene entstehen. Deshalb ist die Einhaltung der nachfolgenden Pflegeanweisungen entscheidend.
Nachsorge und Heilungsprozess nach dem Ziehen der Weisheitszähne
Die ersten 24 Stunden nach der OP sind besonders wichtig. Kühlung von außen lindert Schwellungen und Schmerzempfindlichkeiten. Ruhigstellen und Kopf hoch lagern fördern die Heilung. Direkt nach dem Eingriff bilden sich Blutgerinnsel im Zahnfach, die nicht entfernt oder gestört werden dürfen, da sie den Heilungsverlauf fördern.
In den folgenden Tagen sollte auf kräftiges Spülen oder das Trinken durch einen Strohhalm verzichtet werden, da das Gerinnsel sonst gelöst wird – das führt zu einer sogenannten Alveolitis, einer schmerzhaften Entzündung. Schmerzmittel und – falls verordnet – Antibiotika unterstützen die Heilung. Die Mundhygiene kann mit sanftem Ausspülen fortgesetzt werden, sobald die akuten Beschwerden nachlassen.
Die Wundheilung dauert meist 7 bis 14 Tage. Nach etwa einer Woche wird die OP-Stelle kontrolliert, Narben lösen sich auf, und die Mundöffnung wird wieder uneingeschränkt möglich. Schmerzmitteldosierungen und individuelle Heilungszeiten variieren, deshalb sollte jede Fragestellung mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.


